Vorträge

Die Themen

Einladung zu einer ganzheitlichen Betrachtung des Themas Licht

Die Bedeutung von Licht für den menschlichen Organismus

Prof. Dr. Fritz-Albert Popp

Leben könnte ohne Licht nicht existieren. Insbesondere die Sonne ist eine der elementaren Ursachen des Lebens auf der Erde. Die Dimension des Lichts erschließt sich aber nicht allein aus dem Sichtbaren. Grundlegende Kenntnisse der Biophysik sind ein Schlüssel, um die Bedeutung des Lichts für das irdische Leben und den menschlichen Organismus zu verstehen.
Die Betrachtung auf dieser Ebene macht deutlich: Wir leben von Licht, nicht vorwiegend von der Materie. Unsere Zellen kommunizieren durch Licht. Ein Licht, das man mit bloßem Auge nicht sehen kann und dessen Strahlung (sog. Biophotonen) sich nur mit hochsensitiven Lichtmessgeräten nachweisen lässt. So steuert unser Körper in jeder Zelle pro Sekunde hunderttausend Reaktionen – ein komplexes Konzert, das auch dirigiert werden muss. Der Dirigent dieses unvorstellbaren Lebenskonzerts ist: Licht.
Licht enthält bei tiefer Einsicht darüber hinaus Prinzipien einer Ethik, die uns evolutionäre Ziele des menschlichen Bewusstseins ahnen lässt.
Die Erforschung des Lichts oder der elektromagnetischen Strahlung eröffnet der bisher weitestgehend auf Materie konzentrierten Naturwissenschaft zukunftsweisende neue Erkenntnisebenen.


Licht und Farben in der Psychologie

Karl Ryberg

Licht und Farben sind notwendige Navigationshilfsmittel für unser biologisches und psychologisches Überleben. Licht ist wie ‚Software des Gehirns’ und lebende Farben wirken bei uns Menschen wie visuelle Vitamine.
Um kreativ und gesund zu leben, brauchen wir eine ‚optische Diät’ von hellen und frischen Lichtfarben. Ähnlich wie im Tierreich die Affen oder Schmetterlinge, sucht und fühlt sich der Mensch von leuchtend farbigen Früchten und Blumen angezogen. Wenn das klare Licht der Naturfarben uns fehlt, werden wir davon schwermütig und krank. Die schweren Winterdepressionen sind im dunklen Norden als „Winter Blues“ (medizinisch SAD) besonders bekannt.
Therapeutisch kann im Alltagsleben die Strahlkraft klarer bunter Farben als Energiemittel eingesetzt werden – in ergonomisch abgestimmten Kombinationen von Kleidung, Innenraumgestaltung und Lichtquellen. Am wirkungsvollsten ist die Pracht monochromatischer Lichtfarben, die in der Natur bei Pfauen, Skarabéen und Regenbögen zu finden sind. Diese ‚Superfarben’ sind strahlend pur und haben besondere therapeutische Qualitäten, die denen von Laserlicht ähnlich sind.
(mit Demonstration)


‚Licht’ als Medium und Material in der Kunst

Prof. Dr. Anne-Marie Bonnet

Nach einem Streifzug durch die Kunstgeschichte vom Mittelalter bis heute widmen wir uns der Rolle des Lichts in Moderne und Gegenwart, um Erscheinungsformen und Funktionen des Lichts in den Bildenden Künsten anhand von Beispielen kennen zu lernen.
Im Mittelalter war Licht Symbol und Metapher für das Göttliche und wurde deshalb als Medium der Transzendenz verstanden und eingesetzt; in der Buchmalerei etwa wurde Gott durch Verwendung von Gold oder die Darstellung eines Lichtstrahls manifestiert. In der Architektur wurde der Übergang von der massiven Bauweise der Romanik zur leichteren, von Licht durchfluteten der Gotik mit Lichtmetaphysik begründet.
Das 18. Jahrhundert, die sog. Aufklärung, als der Menschheit scheinbar ein ‚Licht aufging’, wird als Jahrhundert des Lichtes (siècle des lumières’) bezeichnet. In der Moderne wird das Licht vollends zum Symbol für Modernität. In Reaktion auf die Erfindung neuer Lichttechnologien (Elektrizität, Photographie etc.) wird es zum Element und Material schlechthin. Diese sich verändernde Inszenierung und Wahrnehmung des Lichts können wir in zahlreichen Abwandlungen bis heute verfolgen.


Licht im Verständnis der Philosophie, den Religionen und der (insbesondere christlichen) Mystik

Prof. Dr. Dr. Markus Enders

Vom Beginn der abendländischen Philosophiegeschichte an wird „Licht“ als eine Metapher sowohl für die Erkennbarkeit von Sein als auch für die der Gewissheit wahrer Erkenntnis (Erleuchtung) verwendet. Seit den griechischen Denkern steht Licht in unserem Kulturkreis grundsätzlich für das Phänomen des Geistigen und Geisthaften. Als eine sog. „absolute Metapher“ bezeichnet es die vollkommene Selbsterkenntnis eines absoluten Geistes. Daher wird im philosophischen Verständnis „Licht“ stets mit Klarheit, Wissen, Erleuchtung, Aufklärung und Wahrheit assoziiert.
Religionsgeschichtlich wird das Licht und werden lichttragende Gegenstände meist als Gabe oder als Erscheinungsform göttlicher Wesenheiten aufgefasst. Licht ist eine Metapher für religiöse Erleuchtung und Erlösung sowie für sittlich-religiöse Reinheit und Unschuld.
Im Kulturvergleich wird klar, wie zentral Licht sowie der Gegensatz von Licht und Finsternis in der Vorstellungswelt der (alt-) ägyptischen, der (alt-) iranischen, der griechisch-römischen sowie in der jüdisch-christlichen Religion ist. Die große Bedeutung des Lichts für die sog. mystische Vereinigung des Menschen mit Gott/der Gottheit wird in der Mystik monotheistischer Religionen (Judentum, Christentum und Islam) besonders deutlich.




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